Geschichte Meckenheims


Hier werden in unregelmäßigen Abständen Einzelbeiträge zur Meckenheimer Geschichte aufgenommen.


Die verschwundene Burg

Die Meckenheimer Burg, im Mittelalter ein durch Wall und Wassergraben geschütztes Anwesen, bildete mit ihren Befestigungen den nordöstlichen Abschluss der Stadtmauer. Die erste Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahr 1059.
Durch eine Schenkung der Königin Richeza von Polen, einer Tochter des Tomberger Pfalzgrafen Ezzo, ging ihr Meckenheimer Besitz an den Kölner Erzbischof Anno und durch diesen an das Kölner Mariengradenstift über. Dieses Kölner Stift und das Bonner Cassius-Stift teilten sich in Meckenheim die Grundherrschaft über den Ort.

Quelle: Stadtarchiv Meckenheim

Zu dem Besitz des Mariengradenstiftes zählte auch der Burghof und die dazugehörige Untere Mühle. Beide Besitztümer wurden während des Mittelalters von dem Mariengradenstift an die Familie der Junker von Meckenheim zu Lehen gegeben. Diese Familie kann als typischer Vertreter des kurkölnischen Dienst- bzw. Landadels mit engen Beziehungen zu den Kölner Kurfürsten bezeichnet werden. Nachdem die Familie verarmt war, verlor sie 1608 den Meckenheimer Besitz, und der Burghof fiel wieder an das Mariengradenstift zurück. Das Aussehen der alten Burganlage ist leider nicht überliefert worden.

1726 verkaufte das Stift den Meckenheimer Besitz an den Freiherrn Johann Friedrich de Cler. Diese Familie gehörte zum reich gewordenen Dienstadel des Kölner Kurfürsten und benötigte nach ihrem Aufstieg einen repräsentativen landtagsfähigen Rittersitz.
Johann Friedrich de Claer Wappen der Familie de Claer
Quelle: Stadtarchiv Meckenheim

1787 wurde der Burghof sowie der gesamte nördliche Stadtbereich bei einem verheerenden Brand zerstört. Der Wiederaufbau des Herrenhauses erfolgte in einfacher klassizistischer Form. Die Familie de Cler bewohnte das Herrenhaus bis 1910 als Landsitz. 1910 starb Emma de Cler als letztes Familienmitglied. Sie vererbte das Anwesen an den Oberpräsident der Rheinprovinz, Rudolf von Grote. Der dann in ihrem Sinne das Erbe der Stadt Meckenheim stiftete. Die Stadt Meckenheim, als neue Eigentümerin der Burg, vermietete diese zuerst. Sie diente dann als Kinder- und Jugendheim. 1938 erfolgte der Umbau des Dachgeschosses zum Quartier für den weiblichen Reichsarbeitsdienst.
Burg und Wirtschaftsgebäude nach Umbau 1938 Untere Mühle mit Mühlenweiher
Quelle: von Hehl / Schaefer: Meckenheim wie es war

Bei den verheerenden Luftangriffen am 2. und 5. März 1945 wurden große Teile der Stadt zerstört. Auch das Herrenhaus des Burghofes erlitt am Dach schwere Schäden. Die zum Hof gehörige Zehntscheune und die anderen Wirtschaftsgebäude waren fast komplett zerstört Um Platz für neue Wohnbebauung zu schaffen, wurde die Burg schon 1947 abgerissen. Nur ein Rest des ehemaligen Burgparks hat sich bis heute an der Mühlenstraße erhalten.

Lage der Alten Burg und der Unteren Mühle in der Karte von 1824
Quelle: Rheinischer Städteatlas Nr. 3 von 1972

Die zum ehemaligen Burgbesitz zählende Untere Mühle hatte den Krieg unbeschadet überstanden, wurde dann aber 1967 als Feuerwehrübung abgebrannt. An ihrer Stelle steht heute ein Kindergarten. Nur ein kleiner Teich neben dem Kinderspielplatz an der Mühlenstraße erinnert noch an diesen uralten Mühlenstandort.
Verfaßt von Irene Krüger, Meckenheim